| Alte Holzstühle reparieren und mit Holzleim neu verleimen

Alte Holzstühle reparieren und mit Holzleim neu verleimen

Alte Holzstühle reparieren und mit Holzleim neu verleimen

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Mit wenig Aufwand können Sie alte Holzstühle reparieren , ehe das gute Stück völlig aus den Fugen gerät und die Beine oder Teile vom Gestell abbrechen

Wenn Stühle zu wackeln beginnen, sollten Sie Alte Holzstühle reparieren. Anders als moderne Plastikstühle bestehen alte Holzstühle aus mehreren einzelnen Teilen, die durch viele Leimfugen miteinander verbunden sind. Es ist durchaus möglich, dass eine dieser Fugen mit der Zeit ihren Halt verliert:

 

Alte Holzstühle reparieren und mit Holzleim neu verleimen



Alte Holzstühle reparieren

Das Holz schrumpft beim Trocknen. So kann sich eine Verbindung lockern und sogar lösen. Oder der Leim wird brüchig und hält die Teile nicht mehr zusammen.

 

Zum Glück ist ein Stuhl damit nicht verloren. Der geschickte Heimwerker kann ihn noch retten. Am einfachsten ist die Reparatur bei sogenannten Brettstühlen. Deren vier Beine direkt in die aus einem dicken Brett bestehende Sitzfläche ein gezapft sind:

 

Das lockere Bein wird herausgezogen. Der alte Leim wird restlos abgekratzt, dann kann das Bein mit frischem Leim versehen wieder in die Sitzfläche eingesetzt werden.

 

Schwieriger ist die Reparatur bei Stühlen mit einer Zarge unter der Sitzfläche. Oder bei solchen, deren Beine paarweise durch Stege verbunden sind:

 

Jedes Teil ist mit mindestens einem zweiten verzapft und verleimt. Da können Sie die Konstruktion nur mit viel Vorsicht auseinanderziehen, um frischen Leim in die offene Fuge zu spritzen. Oder Sie lösen den ganzen Verbund und fügen die Konstruktion, mit gereinigten und frisch verleimten Fugen, neu zusammen. So stellen Sie auf jeden Fall sicher, dass die Reparatur zum Erfolg führt und sich nicht bald die nächste Fuge löst.

 

Ist wirklich nur eine Fuge locker, wird sie von unten oder hinten (dort ist es am unauffälligsten) dünn angebohrt. Damit frischer Leim mit einer Einwegspritze oder aus der Spritzflasche direkt in die Fuge „injiziert“ werden kann. Und so an die schadhaften Stellen gelangt.

 

Bein lösen und neu ein leimen

Alte Holzstühle reparieren und mit Holzleim neu verleimen 1. Das Bein wird vorsichtig aus dem Zapfenloch im Rahmen herausgelöst, damit kein Holz absplittert.

 

 

 

 

 

 

 

Alte Holzstühle reparieren und mit Holzleim neu verleimen 2. Alten Leim kratzt man ab und verteilt dann frischen Leim gleichmäßig auf allen Flächen.

 

 

 

 

 

 

 

Alte Holzstühle reparieren und mit Holzleim neu verleimen 3. Belasten Sie die Sitzfläche. Wenn überschüssiger Leim herausquillt,
wischen Sie ihn ab.

 

 

 

 

 

 

 

Ältere Stühle, vor allem solche, die aus Massenproduktionen der Jahrhundertwende stammen. Weisen meist recht einfache Verbindungen zwischen den Vorderbeinen und der Sitzfläche auf. Die Beine sind lediglich in einen unter die Sitzfläche geleimten Rahmen ein gezapft. Eine solch simple Konstruktion löst sich immer sehr leicht – auch wenn das Wackeln schon einmal notdürftig behoben worden ist, fällt in wenigen Jahren eine erneute Reparatur an.

 


Denn ein Stuhl wird nicht nur von oben durch das Gewicht des Sitzenden belastet: Solch einfache Leimfugen haben vor allem dann etwas auszuhalten, wenn der Stuhl geschoben oder an den Tisch herangezogen wird. Da wirkt das Bein förmlich wie ein Hebel, der früher oder später unweigerlich die Leim fuge lockert. Um der ganzen Konstruktion wieder Halt zu geben, lösen Sie das wackelnde Bein vollends und leimen es neu ein.

 

Vom Zapfen am oberen Ende des Beins sollten Sie den alten Leim restlos entfernen: Messer oder Stemmeisen sind dafür die richtigen Werkzeuge – mit denen natürlich das Holz nicht verletzt werden darf.

 

Alte Holzstühle reparieren, Beschädigte Zapfen

Wenn der Zapfen schon leicht beschädigt ist, können Sie um das Holz erst eine „Bandage“ aus einem Streifen Papier wickeln. Der Papierstreifen darf nicht breiter sein, als der Zapfen lang ist. Für sicheren Halt sollten Sie auch zwischen die einzelnen Papierwicklungen Leim geben. Anschließend leimen Sie das Stuhlbein in das gereinigte Zapfenloch in der Unterseite der Sitzfläche ein.

 

Alte Holzstühle reparieren, Keil einsetzen

Wenn die wackelnden Teile nicht aus dem Zapfenloch herausgelöst werden können, müssen Sie das Stuhlgestell so weit wie möglich auseinanderziehen, um Leim in die Fuge einzuspritzen.

 

Wenn jedoch die Möglichkeit besteht, die Teile völlig auseinanderzunehmen, sollten Sie sie unbedingt nutzen, denn in diesem Fall kann die Verbindung durch einen zusätzlich eingesetzten Keil noch mehr Festigkeit bekommen: In die Stirnfläche des Leimzapfens sägen Sie mit der Säge einen Spalt, in den dann ein schlanker, über das Zapfenende nur wenig hinausragender Keil eingesetzt wird.

 

Der Keil – leicht aus Rest holz herzustellen – treibt den Zapfen etwas auseinander und verbindet ihn dadurch fester und haltbarer mit der Wand des Zapfenlochs.

 

Alte Holzstühle reparieren und mit Holzleim neu verleimen Ziehen Sie die Teile so weit wie möglich auseinander, und spritzen Sie neuen Leim in das Zapfenloch.

 

 

 

 

 

 

 

Alte Holzstühle reparieren und mit Holzleim neu verleimen Ein schlanker Keil drückt den Zapfen im Zapfenloch auseinander und gibt der Verbindung besseren Halt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Geschwungene Stuhlbeine verleimen

Wenn geschwungene Stuhlbeine verleimt werden sollen, ist es ratsam, zunächst nur ein Bein zu „behandeln“ und das andere an Ort und Stelle zu belassen. So kann man leichter erkennen, wie das Bein wieder ein geleimt werden muss, damit der Stuhl sicher steht und die Optik stimmt.

 

Leim mit Dampf aufweichen

Damit eine lockere, wackelnde Verbindung von Grund auf gefestigt werden kann, müssen die Einzelteile erst einmal auseinandergenommen werden. Dazu sind, vor allem bei Sprossengestellen, auch die bis dahin noch festen Leimfugen zu lösen.

 

Festen Leim lösen Sie am besten mit Hilfe von Wasserdampf. Denn normaler Leim, vor allem der früher übliche Knochenleim, ist wasserlöslich: Durch Dampf kann man Leim selbst in einer relativ dicht schließenden Fuge zwischen zwei Holzteilen aufweichen.

 

Um mit Wasserdampf zu arbeiten, können Sie sich eine einfache Hilfsvorrichtung bauen. Schließen Sie an einen Teekessel einen dünnen Schlauch an. Durch ihn können Sie Wasserdampf gezielt an die gewünschte Stelle leiten. Verwenden Sie einen Gummischlauch, wie er für Entsafter erhältlich ist, oder besorgen Sie im Baumarkt bzw. im Handel für Autozubehör einen dünnen Benzinschlauch mit 6 oder 7 mm Innendurchmesser.

 

In beide Schlauchenden setzen Sie zum Schlauchdurchmesser passende Metallröhrchen ein. Außerdem brauchen Sie einen durchbohrten Korken, der auf die Tülle des Wasserkessels gesteckt wird.

 

Bevor Sie die Dampfbehandlung beginnen, bringen Sie den Stuhl in die Nähe des Herds und lagern ihn so, dass Sie die zu behandelnde Stelle gut erreichen. Achten Sie außerdem darauf, dass das durch die Abkühlung des Dampfs kondensierende Wasser nicht auf andere Stellen des Stuhlgestells oder gar in die Polsterung tropft.

 

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Ein Gummi- oder Plastikschlauch transportiert Dampf vom Wasserkessel auf dem Herd an die Leim Fuge im Stuhl. Ein Metallröhrchen und ein durchbohrter Korken stellen die Verbindung zum Wasserkessel her; am anderen Ende kann ebenfalls ein Röhrchen in den Schlauch gesteckt werden. Heißes Wasser auf den mit einem Tuch umwickelten Leimzapfen tröpfeln: So lösen sich die Reste vom alten Leim schneller ab.

 

Schlauch wird heiß

Legen Sie sich einen Arbeitshandschuh bereit, mit dem Sie den Schlauch anfassen können, denn er wird vom durchströmenden Dampf sehr stark erhitzt. Blasen Sie den Dampf an den Rand der Leim Fuge, und versuchen Sie nach einiger Zeit, die beiden Holzteile auseinanderzuziehen – die Behandlung kann ein paar Minuten in Anspruch nehmen, bis sich der gewünschte Effekt einstellt.

 

Heißes Wasser ist ebenfalls sehr nützlich, um alten Leim an einem offen liegenden Zapfen aufzuweichen. Dampfbehandeltes Holz muss zunächst wieder trocknen, ehe Sie es neu verleimen können.

 

Zargen leimen, Alte Holzstühle reparieren

Alte Holzstühle reparieren und mit Holzleim neu verleimen So oder ähnlich sieht die Verbindung der Zargen mit den Hinterbeinen (oben) oder den Vorderbeinen eines Stuhls aus (unten).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alte Holzstühle reparieren

Etwas aufwendiger ist die Neuverleimung eines wackelnden Stuhls, wenn unter der Sitzfläche Zargen mit Zapfen in die Beine ein geleimt sind – und sich zur Erhöhung der Festigkeit in den vier Ecken zusätzlich dreieckige oder trapezförmige Klötze aus
Massivholz befinden.

 

Hier trifft man bei einer Reparatur auf ein recht kompliziertes Gefüge, in dem sich durchaus auch nur eine einzige Leim Fuge lockern kann. Dann reicht es nicht, ein Teil allein zu lösen und neu zu verleimen:

 

Wenn die Reparatur längere Zeit vorhalten soll, muss der ganze Zargen Rahmen sorgfältig auseinandergenommen werden – zumindest muss eine Ecke des Stuhlgestells völlig geöffnet werden.

 

Im Winkel einfügen

Geht man mit Gewalt vor, kann leicht eine Ecke von einem Zapfen abbrechen. Gerade hier ist darum heißer Dampf sehr hilfreich. Bei diesen Reparaturen gilt es, darauf zu achten, dass das Gestell nachher wieder exakt winklig zusammengefügt wird.

 

In die großen Zapfen an den Zargen sollten Sie schlanke Keile einsetzen. Sie dürfen nur so lang sein, dass die beiden Holzteile dicht und bündig zusammengefügt werden können. Und sie dürfen nur so dick sein, dass sie den Zapfen gerade ein wenig auseinanderdrücken, denn sonst würde er keinesfalls mehr passen.

 

Stuhlbein nach dem Verleimen kürzen

Wenn ein Stuhl nicht nur wackelt, weil eine Leimverbindung locker geworden ist, sondern weil ein Längenunterschied in den Beinen ausgeglichen werden muss, sollte man damit warten, bis das Gestell neu verleimt ist. Erst dann kann die Korrektur in
den Beinlängen exakt ausgeführt werden.

 

Ecken im Stuhlgestell verstärken, Alte Holzstühle reparieren

Bei manchen Polsterstühlen ist die Sitzplatte, die die Polsterung trägt, nicht fest mit dem Gestell verbunden – sie kann daher dem Gestell auch keine zusätzliche Festigkeit geben. Solche Konstruktionen, aber häufig auch die von ungepolsterten Stühlen, bekommen mehr Halt durch dreieckige oder trapezförmige Klötze aus Massivholz, die in den beiden Ecken an den Hinterbeinen innerhalb des Zargen Rahmens fest an die Zargen geschraubt sind.

 

Sie versteifen das Gestell und sollen dafür sorgen, dass es auch dann stabil bleibt, wenn der Stuhl zum Beispiel einmal unter Belastung gekippt oder gerückt wird.

 

Wenn ein Stuhl häufig benutzt und stark belastet wird, können auch diese Versteifungen locker werden.

Alte Holzstühle reparieren und mit Holzleim neu verleimen

Bohren Sie Schraubenlöcher in den neuen Eckklötzen und in den Zargen vor, um die Schraubenköpfe später zu versenken.

Alte Holzstühle reparieren und mit Holzleim neu verleimen

Wählen Sie die Schrauben für die Eckklötze so lang, dass sie nicht durch die Zargen stoßen, aber dennoch festen Halt bieten.

 

Alte Holzstühle reparieren und mit Holzleim neu verleimen Der neue Eckklotz sollte aus gut abgelagerten, also völlig trockenem Hartholz bestehen; man kann ihn aus einem Stück Abfallholz sägen.

 

 

 

 

 

 

 

Sind die Eckklötze nicht mehr fest mit den Zargen verbunden, sollten Sie die alten Schrauben einfach durch neue ersetzen: Sie dürfen nicht länger, sondern nur um eine Stärke dicker sein als die alten.

 

Zustand der Klötze

Ob die Klötze ganz abgelöst werden, alter Leim abgekratzt und durch frischen ersetzt wird – oder ob nur neue Schrauben eingedreht werden, sollten Sie nach dem Zustand der Klötze entscheiden: Aufgeplatzte, gespaltene Klötze müssen durch neue ersetzt werden, die aus Hartholz genau nach der Form der alten zugeschnitten und in den Zargen Rahmen ein geleimt und geschraubt werden.

 

Auch hier ist darauf zu achten, dass die seitlichen Schnittflächen der Klötze genau in das Stuhlgestell passen: Weichen sie nur geringfügig vom geforderten Winkel ab, drücken sie das Gestell schief.

 

Spannen

Leim muss unter Druck aushärten. Spannen Sie daher das neu verleimte Stuhlgestell mit Klemm- bzw. Schraubzwingen oder aber mit einem einfachen Schnurknebel für etwa zwölf Stunden zusammen. Dabei sollte nicht Zuviel Druck ausgeübt werden, weil sonst zu viel Leim aus der Leim Fuge herausgequetscht wird. Mit relativ wenig Druck die Zwingen oder den Schnurknebel ansetzen und nach einiger Zeit noch einmal leicht Nachspannen: So ist es richtig.

 

Beim Spannen müssen Sie darauf achten, dass das Stuhlgestell im Winkel steht und nicht schiefgezogen wird. Diese Forderung ist bei einfachen Stuhlformen und -Konstruktionen leicht zu erfüllen.

 

Alte Holzstühle reparieren und mit Holzleim neu verleimen Schraub-, Klemmzwingen oder Schnurknebel halten die Leimfugen unter Druck, bis der Leim vollends fest geworden ist.

 

 

 

 

 

 

 

Alte Holzstühle reparieren

Bei Stuhlformen wie etwa den englischen Windsor Stühlen oder bei einem Schaukelstuhl ist das nicht einfach zu kontrollieren. Aber zumindest aus der Frontansicht lässt sich mit Hilfe eines Lots feststellen, ob die Mittelachse der Rückenlehne senkrecht verläuft. Ansonsten sollte man beim Zusammenfügen neu verleimter Teile darauf achten, dass sich die Fugen ohne Spannung, ohne übermäßigen Druck zusammensetzen lassen, damit die Winkel stimmen.

 

Alle Spannwerkzeuge sind dann unter gleichmäßig zunehmendem Druck festzuspannen. Sonst könnte sich der Stuhl unter der Belastung verziehen, und Fugen könnten aus dem Leim gehen.

 

Holzleim mit kurzer Trockenzeit

Normaler Holzleim braucht eine Trockenzeit von etwa 12 Stunden, ehe eine Leimverbindung wieder belastet werden kann. Mit Expressleim erreichen Sie schneller eine höhere Festigkeit in der Leim Fuge: Der Stuhl kann früher wie-
der benutzt werden.