Gehrung schneiden, z.B. an Bilderrahmen zu sehen

Wenn Sie eine Gehrung schneiden (Gehrungsverbindung) verläuft die Leimfuge zwischen den Leisten genau im Winkel von 45 Grad zu den Kanten

Gehrung schneiden. Wenn Leisten rechtwinklig stumpf zusammengefügt werden, ist die Leimfläche gerade so groß wie der Materialquerschnitt. Aber man weiß es ja von der Wurst: Wenn man sie schräg anschneidet, wird die Scheibe größer. Und so ist das auch bei der sogenannten Gehrungsverbindung:

Gehrung schneiden, diese Verbindung ist an jedem Bilderrahmen zu sehen

Gehrung schneiden

Die Leim Fuge verläuft schräg zu den Längskanten der Leisten – genau im Winkel von 45 Grad – und ist damit um einiges größer und somit auch haltbarer. Die Gehrung halbiert also den Winkel, in dem die bei den Leisten zusammentreffen, außer durch größere Haltbarkeit zeichnet sich die Verbindung auch durch eine gewisse Eleganz aus.

Ein Optimum an Haltbarkeit wird so allerdings noch nicht erreicht. Schon bei mittelgroßen Rahmen muss die Verbindung deshalb durch Drahtstifte zusätzlich gesichert werden. Und es gibt noch wirkungsvollere Möglichkeiten wie etwa das verdeckte Dübeln oder das Einsetzen von Winkeln.

 

Nur bei rechtwinklig zusammengesetzten Rahmen entsteht eine 45-Grad-Gehrung.

Bei sechs-oder achteckigen Rahmen bilden die Leimfugen natürlich andere Winkel mit den Leistenkanten. Aber immer halbieren sie den Winkel zwischen den beiden Leisten, die miteinander verbunden sind.

Es ist unbedingt darauf zu achten, dass die Gehrung den Winkel exakt halbiert. Weicht sie infolge ungenauer Arbeit nur um einen oder gar zwei Grad vom geforderten Winkel ab, kann keine exakt rechtwinklige Verbindung entstehen. Klafft die Leim Fuge etwas auf, ist sie nicht sehr haltbar und sieht längst nicht so sauber aus, wie eine völlig dicht schließende Gehrungsfuge.

 

Gehrung schneiden. Das wird gemacht

  • Die Bildgröße auf die Falzkante in den Rahmenleisten übertragen
  • Das Bild Maß auf die Außenkante der Rahmenleiste übertragen
  • Gesägte Gehrung in einer Stoß Lade mit dem Hobel nacharbeiten, gegebenenfalls auch nur mit Schleifpapier und Schleifklotz säubern
  • Für zusätzliche Festigkeit Bohrlöcher für Dübel in die Leimflächen setzen oder Nuten für Federn fräsen
  • Gehrung verleimen und durch geeignete Spannvorrichtungen sichern, bis der Leim abgebunden hat
  • Rahmen von außen durch Drahtstifte sichern oder auf der Rückseite Wellennägel einschlagen bzw. Bilderecken oder Fenster Winkel aufschrauben
  • Eventuell von außen dünne Federn ein leimen

 

Gehrung schneiden. Material

  • Rahmenleisten
  • Leim
  • Drahtstifte
  • Wellennägel
  • Eventuell Holzdübel
  • Bilderecken oder Fenster Winkel
  • Schrauben
  • Dünne Holzleisten oder Furnierstücke als Federn

 

Gehrung schneiden. Werkzeug

  • Rückensäge
  • Bohrmaschine
  • Bohrer
  • Wanknut-Tischkreissäge
  • Hammer
  • Senkstift
  • Schneidlade
  • Hobel
  • Dübel Markierer
  • Schleifpapier
  • Gehrungsspannklammern oder Rahmenspanner

 

Gehrung schneiden

Gehrung schneiden, diese Verbindung ist an jedem Bilderrahmen zu sehen

Eine am Tisch verschraubte Gehrungslade mit umsteckbaren Anschlagsstiften für unterschiedliche Gehrungswinkel.

Bei Bilderrahmen mit Falz reißt man das Bildformat so an. Die Bildgröße wird im Falz der Leisten angezeichnet und im 45°-Winkel auf die Außenkante übertragen.

 

 

Sägen Sie in einer einfachen Schneidlade, in der die Leiste festgehalten wird, (noch besser. Mit einer Zwinge eingespannt ist), damit das Werkstück nicht verrutschen kann. Während in einer einfachen Lade nur 90-Grad- und 45-Grad- Schnitte möglich sind, können aufwendigere Schneidladen auch präzise Anschläge für andere Winkel bieten: 67,5 Grad für die Gehrung im Achteck-Rahmen, 60 Grad für die Gehrung im Sechseck-Rahmen. Verwenden Sie für diese Arbeit eine Feinsäge mit festem Rücken.

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Auch die einfache Schneidlade muss fest eingespannt werden, damit sie nicht rutscht und der Sägeschnitt genau verläuft.

 

Bestoßen

Auch die feinste Säge wird keine absolut glatte Schnittfläche liefern. Darum wird  jeder Schnitt noch sorgfältig nachgearbeitet. Zumindest der „Bart“ an der Unterseite des Werkstücks, der durch die stoßend arbeitenden Zähne der Säge entsteht, muss entfernt werden. Aber auch an der Sichtseite der Leisten und auf der Schnittfläche selbst sind Unebenheiten zu beseitigen, damit eine glatt schließende Leim Fuge entsteht.

 

Gehrung schneiden, stoß Lade verwenden

Es ist zwar üblich, beim Bestoßen mit feinem Schleifpapier zu arbeiten: Richtiger ist es aber, einen Hobel einzusetzen und das Werkstück so in eine „Stoß Lade“ einzulegen, dass der Hobel an deren Kante entlanggleitet. So werden nur die hochstehenden Teile von der Sägefläche entfernt, der Gehrungswinkel hingegen nicht verändert.

Sie fertigen die Stoß Lade aus einem Brett oder einem Stück Tischlerplatte und einer gehobelten Latte bzw. einem Stück Kantholz: Die Latte wird an einem Ende im Winkel von 45 Grad abgesägt – und dann im Winkel von 45 Grad zur Stoßkante der Lade auf das Brett geschraubt.

Der Hobel gleitet ganz leicht an der Stoßkante der Lade entlang, mit seiner rechten Flanke liegt er auf dem Werktisch. Nur das Werkstück selbst, nicht aber die Hilfsvorrichtung darf bestoßen werden, sonst hobeln Sie „Buckel“ oder „Bäuche“ in die Gehrungsflächen.

Gehrung schneiden, diese Verbindung ist an jedem Bilderrahmen zu sehen

An einer selbstgefertigen Stoß Lade kann die Gehrung mit einem Blockhobel besser als nur mit Schleifpapier nachgearbeitet werden.

 

Leimen

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Die vier Rahmenteile liegen flach auf dem Arbeitstisch. Die Spannklammern werden mit einer Spreizzange angesetzt.

Bis der Leim abgebunden hat, muss die Gehrung unter Druck zusammengehalten werden. Dafür können Sie entweder mit Hilfe einer Spreizzange Gehrungsspannringe oder – klammern ansetzen oder aber Gehrungszwingen, Winkel – oder Rahmenspanner, die in unterschiedlichen Ausführungen angeboten werden, benutzen. Suchen Sie sich das am besten geeignete Werkzeug aus.

Bei den einfachen Klammern müssen Sie die rechten Winkel in den Rahmenecken überprüfen: Die beiden Diagonalen des Rahmens müssen genau gleich lang sein. Bei den aufwendigeren Zwingen und Spannern erübrigt sich das Nachmessen.

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Präziser funktionieren die speziellen Gehrungszwingen oder Rahmenspanner: Die Werkstücke stehen exakt im rechten Winkel zueinander.

 

Mit Stiften oder Winkeln sichern

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Feine Drahtstifte werden mit dem Senkstift unter die Holzoberfläche versenkt; das Loch wird ausgekittet oder hochgedämpft.

Schon bei kleinen Bilderrahmen, die nur leichtgewichtige Bilder zu halten und zu tragen haben, empfiehlt es sich, die geleimte Gehrung – nachdem der Leim abgebunden hat und die Leim Fuge belastbar ist – zumindest durch Drahtstifte zusätzlich zu sichern.

 

Drahtstifte versenken

Von der Außenseite her werden feine Drahtstifte eingeschlagen und mit dem Senkstift unter die Holzoberfläche versenkt. Der Stift selbst ist nicht mehr zu sehen; es bleiben aber kleine Vertiefungen sichtbar, die entweder mit passendem Holz – bzw. Wachskitt gefüllt oder aber mit Hilfe von Wasser vorsichtig hochgedämpft werden: Ein Wassertropfen wird in die Vertiefung gegeben und mit Hilfe eines Lötkolbens oder eines Bügeleisens erhitzt. Dadurch quellen die Holzfasern, die durch den Drahtstift weggequetscht worden sind, wieder auf.

Andere einfache zusätzliche Sicherungen lassen sich auf der Rückseite des Rahmens anbringen: Schlagen Sie beispielsweise – bei ausreichend breiten und dicken Rahmenleisten – von der Rückseite quer über die Gehrung sogenannte Wellennägel in das Holz.

 

Winkel aufschrauben

Bei größeren Rahmenprofilen und schwereren Rahmen, – für die vor allem die Glasscheibe eine starke Belastung darstellt – können Sie auf die Rückseite der Gehrung kleine Blechecken oder -Winkel schrauben.

Sowohl Rahmenecken als auch sogenannte Fenster Winkel gibt es in unterschiedlichen Größen; sie werden mit jeweils zwei feinen Schrauben pro Rahmenleiste befestigt – und sollten möglichst weit an die Innenseite des Rahmens gerückt werden, damit sie von vorn bzw. von der Seite nicht zu sehen sind.

Besonders gut gelingt die Arbeit, wenn Sie diese Beschläge nicht einfach auf das Holz schrauben, sondern einlassen: Mit dem Stemmeisen wird – entsprechend dem Umriss des Dreiecks oder Winkels – eine dünne Holzschicht in der Stärke des Beschlags abgetragen. In der dadurch geschaffenen Ausnehmung kann der Beschlag dann bündig mit der Holzoberfläche festgeschraubt werden.

 

Festigkeit durch Wellennägel, Ecken, Winkel

Gehrung schneiden, diese Verbindung ist an jedem Bilderrahmen zu sehen

Feine Wellennägel werden quer über die Leim Fuge ins Holz eingeschlagen.

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Bilderecken gibt es in unterschiedlichen Größen und Stärken.

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Fenster Winkel sollten wie die Bilderecken mit vier Schrauben befestigt werden.

 

Gehrung schneiden, verdeckt dübeln

Gehrung schneiden, diese Verbindung ist an jedem Bilderrahmen zu sehen

Ein oder zwei Dübel geben jeder Gehrung auch bei großen und schweren Rahmen, zusätzlich zur Leimverbindung sicheren Halt.

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Die Dübellöcher müssen genau fluchten, sonst entsteht keine rechtwinklige Verbindung – trotz exakter 45-Grad-Sägeschnitte.

Sauberer als nachträglich aufgeschraubte Zusatzbefestigungen, die im Holz versteckt sind, wirken etwa die hier gezeigten Holzdübel, die nur als feine „Holzadern“ von außen zu sehen sind.

Dübel werden immer quer zur Leim Fuge eingesetzt – und zwar möglichst dicht an die Innenseite des Rahmens gerückt. Eine der Leisten wird angebohrt. In die Bohrungen gesetzte Dübel Marker bestimmen in der zweiten, dagegengehaltenen Rahmenleiste die Mittelpunkte der Bohrlöcher.

Ein anderes Verfahren: Kleine Nägel in die Leiste einschlagen, Köpfe abzwicken und mit den Nagelstümpfen im zweiten Werkstück die Bohrpunkte markieren.

 

Federn aus dünnem Holz sichern die Gehrung

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Zeitaufwendiger herzustellen, aber zuverlässig: Die Feder wird in Nuten ein geleimt, die in den Gehrungsschnitt gefräst sind.

Eine andere fachmännische Art, einer Gehrung zusätzliche Festigkeit zu geben, ist das Ein leimen von sogenannten Federn. Man setzt sie entweder in gefräste Nuten, um die Leim Fuge zu vergrößern und dadurch der Verbindung mehr Halt zu geben, oder man leimt die Federn – meist aus Furnierholz – von außen in einen Sägespalt, damit sie das Verwinden der Leisten verhindern.

 

Feder mit gefräster Nut

Nach dem Zuschnitt der Gehrung sind in die beiden Leimflächen schmale Nuten einzufräsen, die maximal ein Drittel der Leistenstärke ausmachen dürfen. Am besten orientiert man sich an der Stärke des Holzes, das als Feder dienen soll, und stellt danach den Ausschlag der Wanknutsäge ein. Beim Herrichten der Feder ist zu beachten, dass die Faserrichtung quer zur Leim Fuge verläuft. Verlaufen die Holzfasern parallel zur Leim Fuge, kann die Feder in der Gehrung sehr leicht brechen.

Das als Feder verwendete Leistenstück soll lang genug sein, um an der Außen und Innenseite des Rahmens die gesamte Länge der Nuten auszufüllen. Die Federn müssen länger sein als die Gehrungsfläche.

Überstehende Teile werden erst dann abgesägt und weggeschliffen, wenn der Leim seine Endfestigkeit erreicht hat.

 

Tipp

Wer einen alten, wackligen Bilderrahmen neu festigt, wird sich oft darauf beschränken, den alten Leim in den Gehrungen wegzukratzen und die Leisten neu zu verleimen. Bei dieser Reparatur können Sie zusätzlich von außen dünne Federn ein leimen. Wenn es sich um einen lasierten oder farblos lackierten Rahmen handelt. Mit etwas Wasserfarbe und farblosem Lack kann der Holzton der neuen Federn der Farbe des Rahmens angepasst werden; so sieht es einheitlich aus.

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Nachträglich einzuleimen: Die fertige Gehrung wird von außen angesägt. Die Federstärke entspricht der Stärke des Sägespalts.

 

Federn von außen ein leimen

Weniger kompliziert sind Federn von außen in die Gehrung einzusetzen, denn die Gehrung wird zunächst einmal ohne zusätzliche Vorbereitungen fertiggestellt. Erst dann wird der Rahmen von außen bis auf etwa zwei Drittel der Leistenbreite angesägt. In den Sägespalt leimen Sie die zugepassten Furnierstücke ein.

Besser als nur eine Feder sind zwei Federn. Für sie sollten nicht genau parallel angeordnete Sägeschnitte gemacht werden: Vielmehr dürfen die Schlitze leicht V-förmig zum Rahmeninnern hin aufeinander zulaufen. Die Federn wirken dann in unterschiedlicher Richtung, sie funktionieren wie ein Keil und geben dadurch der Verbindung sicheren Halt.

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Die in Nuten eingesetzte Feder muss lang genug sein, um die Nuten innen und außen voll auszufüllen. Überstände später abschleifen.

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Von außen ein geleimte Federn müssen den Sägespalt satt füllen; man schnitzt dickeres Holz zurecht, bis es genau passt.

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Der Leim für die Federn muss abgebunden haben, bevor Überstände weggesägt und fein verschliffen werden können.