Furnieren leicht gemacht, auch große Flächen, kein Problem

Furnieren ist heute viel leichter als noch vor zwanzig Jahren. Es gibt vorgerichtete, mit Schmelzkleber beschichtete Furnierblätter

Kleider machen Leute – und das Furnieren macht eine Spanplatte ansehnlich. Eine hauchdünne Schicht aus echtem Holz genügt, ein Möbel aussehen zu lassen, als bestünde es durch und durch aus gewachsenem Holz – selbst wenn es nur aus Spanplatte ist.

Furnieren leicht gemacht, auch große Flächen, kein Problem

Furnieren leicht gemacht, auch große Flächen, kein Problem

Schon vor vielen Jahrhunderten sind Tischler auf die Idee gekommen, ihre Möbel nicht mehr aus dem massiven Holz edler Bäume zu bauen, sondern einfachere und billigere Hölzer zu verarbeiten. Bessere und teurere Qualitäten verwendeten sie – in Form von dünn gesägten Holz-platten – nur noch für die „Haut“ der Möbelstücke. Auf ihnen lassen sich Furnierhölzer in unterschiedlichen Holztönen kunstvoll zu prächtigen Mustern zusammenfügen.

Neben Holzfurnier wird heute vielfach eine Schichtstoffplatte oder Kunststoff-Folie eingesetzt; viele Heimwerker ziehen es jedoch vor, selbstgebaute Möbel mit echtem Furnier zu belegen. Vor gar nicht so langer Zeit war das noch eine recht mühselige Arbeit.

Das Zusammenfügen schmaler Furnierstreifen – es gibt sie in Holzhandlungen und Baumärkten zu kaufen – zu größeren Flächen lässt sich heutzutage jedoch ebenso leicht bewerkstelligen wie das Aufziehen des Furniers auf eine Trägerplatte: Schmelzkleber erleichtern die Arbeit beträchtlich.

 

Das Material: Furnierschnitt und Maserungsbilder

Während früher bei der Herstellung von Furnier mehr als die Hälfte des Holzes als Sägespäne verlorenging, wird bei der modernen Furnierfertigung der Baumstamm weitaus ergiebiger genutzt. Heute sägt man die dünnen Furnierblätter nicht mehr aus dem Stamm heraus, sondern trennt sie mit Hilfe großer Messer vom gewachsenen Holz. Dabei werden unterschiedliche Methoden angewandt – bei denen ganz unterschiedliche Furniere entstehen.

Das sogenannte Schälfurnier gewinnt man, indem ein Stammabschnitt in die Maschine gespannt und gegen ein feststehendes Messer gedreht wird. So entsteht ein „endloses“ Furnierband, das man in beliebig breite Streifen unterteilen kann. Schälfurniere zeigen „Fladerung“: Die hellen und dunklen Jahresringe zeichnen sich, je nach Holzart, als markante „Flammen“ oder unregelmäßig geformte Ringe ab.

 

Natürliche Maserung

Bei der Herstellung von „Messerfurnier“ wird der halbierte Stamm von einem riesigen „Hobel“ nach und nach in dünne Scheiben zerlegt. Jedes Furnierblatt zeigt die natürliche Maserung, das originale Wachstumsbild des Holzes. Es wird deshalb den Schälfurnieren vorgezogen. Beim „Halbrundschälen“ werden halbierte oder geviertelte Stämme exzentrisch zur Drehachse eingespannt und geschält. Dabei erzielt man breitere Furnierblätter, die ein schöneres Maserungsbild zeigen als ein aus dem vollen Stamm geschältes Furnier.

Je nachdem, wie das Holz eingespannt wird, entstehen „geflammte“ Furniere oder „stehende“ Jahresringe – Flächen von ganz unterschiedlichem Aussehen. Fügt man geflammte Furniere zu größeren Flächen zusammen, sollte man darauf achten, dass die Furnierstreifen bei aufrecht stehenden Möbelflächen (wie Schranktüren) symmetrisch verarbeitet werden; bei Tischplatten ergibt sich eine interessante Symmetrie durch die doppelte Spiegelung der Maserung.

Furnieren leicht gemacht, auch große Flächen, kein Problem

Furnieren. Oben: So kommen die Furnierblätter aus der Maschine. Unten: Jedes zweite Blatt wird gedreht – die einfache Spiegelung entsteht. Auf Tischplatten werden Furnierblätter immer in doppelter Spiegelung – um den Mittelpunkt der Platte herum – angeordnet.

 

Die wichtigsten Zuschnitt Methoden für Furniere

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Trägerplatte

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Furnieren. Die Qualität der furnierten Fläche hängt von der Qualität der Trägerplatte ab. Nicht völlig plane Platten werden daher abgeschliffen.

Span- und Tischlerplatten sind die gebräuchlichsten Träger für Furniere: Sie bringen aufgrund ihrer Struktur die nötige Standfestigkeit in die Verbindung ein. Das Furnier verleiht dann der groben Spanplatte ein ansprechendes Äußeres.

Spanplatten erhalten in der Maschine, in der sie aus Holzspänen und Kunstharzleim zusammengepresst werden, eine perfekt glatte Oberfläche. Deshalb ist es in aller Regel nicht nötig, die Spanplatte vorzubereiten, bevor das Furnier aufgezogen wird. Weil man vor dem Furnieren jedoch meistens eine massive dünne Holzleiste als Umleimer anbringt, müssen die Plattenränder nachgeschliffen werden, damit die Umleimer leisten völlig plan mit der Plattenoberfläche liegen. Dabei können Sie natürlich auch gleich die ganze Platte mit dem Schwingschleifer bearbeiten.

Wenn Sie als Trägermaterial schlichtes Fichtenholz verwenden, auf das Sie Furnier aus einem edleren Holz aufziehen, sollten Sie unbedingt die Oberfläche abschleifen, bis eine völlig plane Fläche entsteht.

 

 

Ebener Grund

Schon geringe Höhenunterschiede zwischen den härteren, dunklen Jahresringen und den helleren Partien könnten sich später im Furnier abzeichnen – oder gar dazu führen, dass Sie das frisch aufgezogene Furnier über den leicht erhabenen dunklen Jahresringen durchschleifen, wenn Sie es für die abschließende Oberflächenbehandlung vorbereiten. Nach dem Schleifen stauben Sie die Trägerplatte gründlich ab.

 

Furnierzuschnitt

Wenn die zu furnierende Fläche größer als das vorhandene Furnierblatt ist, fügen Sie zunächst mit Hilfe von Klebstreifen mehrere Furnierblätter zusammen. Die Stoßkanten müssen ganz dicht schließen! Aus der vergrößerten Furnierfläche schneiden Sie dann, mit Messer und Stahllineal, die benötigte Größe plus jeweils 5 mm Randzugabe aus.

Scharfe Klinge

Verwenden Sie unbedingt ein scharfes Messer und schneiden Sie mit nur leichtem Druck. Trotz der Kleberbeschichtung könnte das Furnier unter einem stumpfen Messer brechen und splittern. Vor allem der Schnitt quer zur Faserrichtung würde die Furnierqualität bei einer stumpfen Klinge beeinträchtigen.

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Furnieren. Das Furnier wird so geschnitten, dass die Maserung im Verlauf mit der Längsrichtung der zu beklebenden Platte übereinstimmt.

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Furnieren. Quer zur Faserrichtung müssen Sie besonders vorsichtig schneiden, damit das Furnierblatt nicht splittert. Verwenden Sie ein scharfes Messer.

 

Aufziehen

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Furnieren. Das Furnier legen Sie so auf die Trägerplatte auf, dass es ringsum gleichmäßig übersteht; dann aktivieren Sie den Schmelzkleber.

Selbstklebendes Furnier legen Sie mit gleichmäßigem Randüberstand auf die Trägerplatte und heften es mit dem heißen Bügeleisen zunächst leicht an. (Berühren Sie dabei nicht die Klebstreifen. Sie könnten schmelzen und an der Sohle des Bügeleisens festkleben.) Entfernen Sie nach dem leichten Anheften die Klebstreifen, und fahren Sie dann mit dem Bügeleisen druckvoll über die ganze Fläche. Etwaige Blasen können Sie aufstechen und über bügeln.

Wenn Sie Massivholz bekleben, sollten Sie auf der Rückseite stets ein Gegenfurnier anbringen – eine nur einseitig aufgezogene Schicht verzieht das Holz. Kann doch einmal lediglich eine Seite des Trägermaterials furniert werden, dann immer die dem Stamminnern zugewandte Seite! So werden die auftretenden Kräfte möglichst klein gehalten.

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Furnieren. Massivholz wird mit Gegenfurnier belegt, einseitiges Furnier immer auf die „Herzseite“ geklebt, damit das Holz nicht verzieht.

 

Vorleimer

Schnittkanten von Span- oder Tischlerplatten sehen nicht nur unschön aus: Sie brauchen auch Schutz. Deshalb bringt man, passend zum Furnier, Umleimer aus Massivholz an. Furnier und Umleimer müssen nicht unbedingt aus dem gleichen Holz bestehen. Als Umleimer verwendet man meistens Ramin- oder feine Fichtenleisten, die so gebeizt werden, dass sie dem Farbton des Furnierholzes nahekommen oder zu ihm im Kontrast stehen.

Den Umleimer können Sie schon vor dem Furnier an der Trägerplatte befestigen. Er wird dann überfurniert, so dass nur seine Seitenkante zu sehen ist. Man kann ihn aber auch nach Aufziehen des Furniers anschmelzen; dann fällt der Umleimer als Randeinfassung stärker auf. Diese Vorgehensweise empfiehlt sich vor allem dann, wenn Sie den Umleimer mit der Furnierfläche kontrastieren lassen wollen.

 

Material sparen

Es ist üblich, den Umleimer nur so stark wie die Platte – samt Furnier (und Gegenfurnier) zu wählen. Er kann aber auch deutlich stärker sein – so täuscht er eine dickere Platte vor. Ein solch kräftiger Umleimer sollte durch versteckte Dübel gut gesichert sein. Ein lediglich mit Leim befestigter Vorleimer könnte allzu leicht abbrechen.

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Massivholz-Vorleimer schützen und verschönern die Plattenkante. Sie können sie vor oder nach dem Furnieren anleimen und verdübeln.

 

Pressen

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Furnieren. Mit Holzleim aufgezogenes Furnier wird unter Druck gehalten, bis der Leim abgebunden hat. Schmelzkleber härtet ohne solchen Press druck.

Beim Aufziehen eines Furniers mit Schmelzkleber sorgt schon der Druck des heißen Bügeleisens dafür, dass das Furnier fest auf die Trägerplatte gepresst wird und keine hochliegenden Stellen das Erscheinungsbild des Furniers beeinträchtigen. Mit dem Erkalten des Schmelzklebers – schon nach wenigen Sekunden – gehen beide Materialien eine feste Verbindung ein; das Werkstück kann bereits nach wenigen Minuten weiterverarbeitet werden.

Bei der traditionellen Methode des Furnierens stellt Weiß leim die Verbindung zwischen Trägerplatte und Furnier her: Dieser Leim wirkt sehr viel langsamer – und bindet nur unter Druck so ab, dass sich die Materialien fest verbinden.

 

Auf traditionelle Art

Wenn Sie blankes, unbeschichtetes Furnier aufleimen, legen Sie zunächst mehrere Schraubzwingen, einige Bögen Papier, zwei größere Spanplatten als Zulagen und ein paar Holzleisten als Druckverteiler bereit. Trägerplatten samt Furnier (und Gegenfurnier) werden mit diesen Hilfsmitteln einige Stunden lang zusammengepresst, bis der Leim abgebunden hat und das Werkstück wieder belastbar ist.

Decken Sie das Furnier mit Papier ab, bevor Sie die Spannvorrichtung ansetzen: Sollte durch Fehlstellen im Furnier Leim austreten, bleibt nur das Papier daran haften – und das können Sie leicht wieder wegschleifen. Unangenehmer wäre es, wenn eine Spanplatte eine feste Verbindung mit dem herausquellenden Leim einginge.

 

Verputzen

Es ist ratsam, das Furnier etwas größer als die Trägerplatte zuzuschneiden und später die Kanten des Belags zu verputzen. So erhalten Sie einen sauberen Abschluss.

Mit einem scharfen Messer schneiden Sie an den Kanten der Trägerplatte entlang die überstehenden Furnierränder ab. Schneiden Sie in Richtung der aus dem Rand laufenden Jahresringe, also gegen die Wuchsrichtung des Holzes. Diese Vorsichtsmaßnahme ist angebracht, damit nichts splittert. Danach schleifen Sie mit feinem , Schleifpapier (Körnung 180 oder 220) über alle Kanten.

Auch die Oberfläche wird, nachdem Sie sie gewässert haben, geschliffen, um sie anschließend behandeln zu können. Denken Sie stets daran, den Schleifstaub mit einer harten Bürste zu entfernen, bevor Sie die Fläche mattieren, lasieren oder lackieren.

Furnieren leicht gemacht, auch große Flächen, kein Problem

Furnieren. Wenn Sie überstehende Furnierränder abschneiden, sollten Sie mit scharfem Messer gegen die Wuchsrichtung des Holzes arbeiten.

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Furnieren. Zum Schluß werden die Kanten nachgeschliffen und schwach angefast, um die Furnierkante vor dem Aussplittern zu schützen.

 

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